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1.
Einführung
Phönizien
oder Phönikien, griechisch Phoinike (Purpurland), lateinisch
Phoenicia, biblischer Name Kanaan, schmaler Landstrich an der Ostküste
des Mittelmeeres, der heute weitgehend auf dem Gebiet des Staates
Libanon liegt. Die Region wird im Osten vom Libanongebirge, im Süden
vom Berg Karmel und im Norden vom Fluss Eleutheros (heute Kebir)
begrenzt.
2. Frühgeschichte
Obwohl
die Bewohner dieses Gebiets einer homogenen Zivilisation angehörten,
bildete es selten eine politische Einheit. Geographisch stark zerrissen
durch tiefe Flusstäler und Bergzüge, zerfiel es in zahlreiche
Stadtstaaten, die einander abwechselnd beherrschten. Die bedeutendsten
waren Byblos (Djebeil), Arados (Arwad), Sidon (Saida), Tripolis
(Tripoli), Tyros (Sur) und Berytos (Beirut). Zunächst stand
Byblos im Vordergrund, wurde aber später durch Tyros und Sidon
verdrängt.
Die Bewohner Phöniziens, die bei Homer Phönizier genannt
werden, werden im Alten Testament häufig nach den einzelnen
Stadtstaaten als Sidonier und Tyrer oder aber als Kanaaniter bezeichnet
und sprachen Semitisch. Ihre ersten Siedlungen gründeten sie
um 2500 v. Chr. an der Mittelmeerküste. Sie standen zunächst
stark unter dem Einfluss der sumerischen und akkadischen Kulturen
des nahe gelegenen Babylonien. Um 1800 v. Chr. geriet das Gebiet
bis etwa 1400 v. Chr. unter ägyptischen Einfluss. Durch den
Machtverfall des Hethiterreiches erlangten die einzelnen Stadtstaaten
um 1100 v. Chr. ihre Eigenständigkeit, die sie jedoch in der
Folge immer wieder gegen die benachbarten Großreiche neu verteidigen
mussten.
3. Handelsbeziehungen
In
seiner Blütezeit zwischen 1200 und 900 v. Chr. entwickelte
sich Phönizien zur größten Handels- und Seemacht
der Antike. Die Phönizier beherrschten das gesamte Mittelmeer
bis zum Atlantik, wo sie Kolonien und Handelsfaktoreien gründeten,
darunter Utica und Karthago in Nordafrika oder Gadir (heute Cadiz)
in Südspanien sowie zahlreiche Orte auf Sizilien, Sardinien,
Malta und Zypern. Durch die regen Handelsbeziehungen wurde auch
der kulturelle Austausch zwischen dem Orient und Städten in
Griechenland gefördert, das die Phönizier später
als Seefahrernation abzulösen begann. Während dieser wirtschaftlichen
Blütezeit wurden vor allem kunstgewerbliche Gegenstände
aus Glas, Holz und Metall sowie Bauholz aus dem Libanongebirge exportiert.
Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurden die phönizischen Städte
von den Assyrern erobert. Als Assyrien im späten 7. Jahrhundert
v. Chr. fiel, wurde Phönizien - mit Ausnahme von Tyros, das
bis etwa 538 v. Chr. unabhängig blieb - in das Babylonische
Reich unter Nebukadnezar II. eingegliedert und 539 v. Chr. ins Persische
Reich, unter dessen Herrschaft Sidon die führende Rolle unter
den Städten übernahm.
Nach
dem Sieg Alexander des Großes über die Perser 333 v.
Chr. ergaben sich Sidon, Arwad und Byblos seinen Truppen, doch Tyros
widersetzte sich und fiel erst 332 v. Chr. nach siebenmonatiger
Belagerung durch Alexander. In der Folgezeit wurden die Phönizier
allmählich in das Seleukidenreich eingegliedert und verloren
ihre Eigenständigkeit. Die Städte erfuhren nach und nach
eine Hellenisierung, und 64 v. Chr. wurde das Gebiet von Pompeius
der römischen Provinz Syria einverleibt.
4. Kultur und Religion
Phöniziens
bedeutendste kulturelle Errungenschaft war die Entwicklung eines
Alphabets, einer Buchstabenschrift, die als reine Konsonantenschrift
konzipiert war und später die Grundlage sowohl der griechischen
als auch der lateinischen Schrift bildete. Die Ursprünge der
phönizischen Schrift reichen bis in das 2. Jahrtausend v. Chr.
zurück. Die Produkte des phönizischen Handwerkes, besonders
Textilien und Farbstoffe (darunter der berühmte tyrische Purpur,
von dem sich auch ihr Name ableitete), Gegenstände aus Edelmetall,
Elfenbeinschnitzereien und Glaswaren, waren in der gesamten antiken
Welt berühmt. Bei Ausgrabungen wurden in Grabstätten aufwendig
gefertigte Masken aus verschiedenen Materialien wie Terrakotta oder
Bronze entdeckt. Die phönizische Kunst beeinflusste maßgeblich
die Kunst der Griechen.
Die
pantheistische Religion der Phönizier, die der kanaanäischen
sehr nahe stand, konzentrierte sich auf den Kult verschiedener Stadtgottheiten,
die als Baal oder Herr bezeichnet wurden und wohl Naturgötter
waren. Die wichtigste weibliche Gottheit war die Kriegsgöttin
Astarte, die mit der babylonischen Ischtar verwandt war. Durch die
Ausbreitung der Herrschaft der Phönizier wurden ihre religiösen
Vorstellungen im gesamten Mittelmeerraum verbreitet.
5. Quellenangaben
"Phönizien,"
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