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Baalbek
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Information  

Baalbek ist Libanon großartigster römischer Schatz und kann zu den Wundern des Altertums gezählt werden. Seine Tempel gehören zu den erhabensten und größten, die je gebaut wurden, und auch zu den besterhaltensten.
Die monumentalen Ausmaße der Sakralbauten, die hoch über der Beka'a Ebene aufragen, waren bewusster Ausdruck der Macht und des Reichtums des römischen Imperiums. Die hier verehrten Götter wurden mit den einheimischen wie Hadad, Atargatis und einem jungen einheimischen Fruchtbarkeitsgott vereint. Örtliche Einflüsse werden auch deutlich bei der Planung und Anlage der Tempel, die von der klassischen römischen Konzeption abweichen.
Erdbeben, Krieg und Diebstahl fügten im Laufe der Jahrhunderte Baalbeks Anlagen beachtliche Schäden zu, zu denen man auch die mittelalterlichen Ergänzungen rechnen muss. In den letzten hundert Jahren haben deutsche, französische und libanesische Archäologen Ausgrabungs- und Restaurationsarbeiten vorgenommen, die dem heutigen Besucher einen wirklichkeitsnahen Eindruck der ursprünglichen Anlage vermitteln.
Baalbek lag an zwei historischen Handelswegen, von denen der eine die Mittelmeerküste mit Damaskus und der andere Nordsyrien und Palästina verband. Der 85 km von Beirut entfernte Ort ist heute ein wichtiges Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des nördlichen Teils der Beka'a Ebene zwischen dem Libanon- und dem Antilibanon -Gebirge.
Jahrhunderte lang waren die Tempel unter meterhohem Schutt begraben und mit mittelalterlichen Festungsanlagen überbaut. Aber selbst in diesem Zustand erregten die Tempel die Bewunderung der Besucher und ließen ihre historische Bedeutung erkennen. Im Jahre 1898 nahm die deutsche kaiserliche Archäologie - Kommission ihre vorbildliche Arbeit in den Ruinen auf. Es folgten 1922 französische Archäologen und nach der Unabhängigkeit 1943 die libanesische Altertumsverwaltung. Baalbeks Tempel entstanden auf einem Hügel, der mindestens seit dem Ende des 3. Jahrtausends als Heilige Stätte diente, über die jedoch nur geringe Kenntnis vorliegt. Im 1.Jhrtd. wurde hier ein ummauerter Hof angelegt mit einem Altar in der Mitte, wie es der Tradition biblischer Heiliger Stätten der Semiten entsprach.
In der Hellenistischen Zeit (333-64 v. Chr.) identifizierten die Griechen den Gott von Baalbek mit ihrem Sonnengott und nannten den Ort Heliopolis -Stadt der Sonne. Sie vergrößerten das Tempelgelände und legten auf dem westlichen Teil eine podiumsähnliche Erhöhung an, um darauf einen Tempel der klassischen Form errichten zu können, der jedoch nie gebaut wurde. Spuren des geplanten Projekts lassen sich aber noch heute erkennen. Erst die Römer schufen hier den großen Tempel, den sie ihrem Hauptgott, dem Jupiter, weihten, und aus dem alten Tempelhof wurde der Hof des Jupitertempels.
Die Bauarbeiten für den Tempel wurden gegen Ende des 1.Jhdt. v. Chr. begonnen und näherten sich in den letzten Jahren der Herrschaft des Kaisers Nero (37-68) ihrem Abschluss.
Im 2.Jhdt. erhielt der Große Hof vor dem Jupitertempel die Säulenhallen (Porticus), die halbrunden oder rechteckigen, auf den Hof geöffneten Räume (Exedra), die Altäre und Bassins für die Kulthandlungen, während zur gleichen Zeit die Arbeiten an dem sogenannten "Bacchus" Tempel aufgenommen wurden.
Die Propyläen (monumentale Eingangstorbauten) und der hexagonale Vorhof (sechseckiger Hof) wurden im 3.Jhdt. hinzugefügt. Sehr wahrscheinlich wurde in dieser Zeit auch der kleine Rundtempel, bekannt als Venustempel, fertig gestellt.
Als im Jahre 313 die christliche Religion zur Staatsreligion erhoben wurde, schloss der byzantinische Kaiser Konstantin offiziell die Baalbektempel, und gegen Ende des 4.Jhdts. ließ Kaiser Theodosius die Jupiteraltäre zerstören und an ihrer Stelle unter Verwendung des Materials des Tempels eine Basilika aufführen. Die Reste der drei Apsiden der Basilika, die nach Westen ausgerichtet war, kann man noch im oberen Teil der zum Jupitertempel hinaufführenden Freitreppe sehen.
Nach der arabischen Eroberung im Jahre 636 wurden die Tempel in eine Festung verwandelt, arabisch „qalaa“, womit noch heute die Akropolis bezeichnet wird. Während der nächsten Jahrhunderte fiel Baalbek an die Umayyaden, Abbaassiden, Tuluniden, Fatimiden und Ayyubiden. 1260 wurde es von den Mongolen eingenommen und geplündert, erlebte aber in der darauf folgenden Herrschaft der Mameluken Periode der Ruhe und des Wohlstands.
Die Tempelanlage von Baalbek umfasst die Tempel des Jupiter, des Bacchus und der Venus. Von einem vierten Tempel, dem des Merkur, auf dem Scheich Abdallah Hügel sind nur noch die Reste einer Treppe zu sehen.

  
Jupiter Tempel
Das Erste, das der Besucher wahrnimmt, sind die sechs korinthischen Säulen des Großen Tempels, d.h. des Jupitertempels, die 22 m hoch in den Himmel ragen und mit ihren Architraven (Querbalken über den Säulen) eine Vorstellung von der Gewaltigkeit der ursprünglichen Anlage vermitteln. Der gesamte Komplex des Tempels umfasst den Eingang, d.h. die Propyläen, den sechseckigen Vorhof, den Großen Hof und schließlich den Jupitertempel selbst.
Die Propyläen wurden in der Mitte des 3.Jhdts. vollendet. Über die teilweise restaurierte Treppe gelangt man zu einer Reihe von 12 Granitsäulen, die an beiden Seiten von je einem Turm flankiert werden. Über eine Innentreppe kann man die Propyläen besteigen und wird von einer hervorragenden Aussicht belohnt.
Drei Tore führen in den in der ersten Hälfte des 3.Jhdts. vollendeten hexagonalen Vorhof mit ursprünglich 30 Granitsäulen mit Architrav. Am Ende des 4. oder Anfang des 5.Jhdts. wurde der Vorhof von einer Kuppel überwölbt und in eine Kirche verwandelt.
Der Große Hof mit einer Fläche von 134 mal 112 m umfasste alle hauptsächlichen Kulteinrichtungen und war auf der abgeflachten Spitze eines künstlichen Hügels gebaut worden. Auf der Ost-, Nord- und Südseite des Hügels stützten Anlagen mit mächtigen Gewölben den Hügel, was auf der Westseite durch das Podium des Tempels bewirkt wurde. Diese Konstruktionen dienten sowohl als Stütze für die Säulenhallen (Portikos) und die halbrunden oder eckigen, nischenähnlichen, sich auf den Hof öffnenden Räume (Exedras), und auch als Ställe und Magazine genützt.
In der Mitte des Großen Hofes stehen zwei mächtige Gebilde: ein restaurierter Altar und ein Turm mit den unteren erhaltenen Abschnitten. Der aus dem 1.Jhdt. datierende Turm, der von zwei alleinstehenden Säulen flankiert wurde, sollte wahrscheinlich den Priestern ermöglichen, bei Kulthandlungen von der Höhe des Turmes her, den Kontakt mit Jupiter im Tempel zu halten. Nördlich und südlich von Turm und Altar befinden sich zwei mit Reliefs reich verzierte Wasserbassins für Kultwaschungen. Diese Anlagen wurden am Ende des 4.Jhdts. bei der Errichtung der Basilika zerstört.
Der ganze Hof war von Exedras und Nischen mit Statuen umgeben, und vor den Exedras gab es wiederum eine Kolonnade mit 84 korinthischen Säulen aus ägyptischem Granit. Auf den Außenwällen des Großen Hofes sind noch die Reste mittelalterlicher Zinnen zu sehen.
Durch die Propyläen, den Hexagonalen Vorhof und den Großen Hof gelangte der Gläubige endlich zum Jupitertempel. Dieser Weg durch verschiedene klar definierte Räume entsprach offensichtlich einer orientalischen Konzeption.
Der Tempel, den man über eine monumentale Freitreppe erreicht, misst 88 mal 48 m und steht auf einem Podium 13 m über dem umliegenden Gelände und 7 m über dem Großen Hof.
Ursprünglich war der Tempel außen von 54 Säulen umgeben, die in großen Stücken auf dem Boden liegen. Die sechs noch stehenden Säulen sind durch ein mit Stier- und Löwenköpfen verziertes Gebälk verbunden.
Das Podium wurde mit einigen der größten Steinblöcke gestützt, die jemals aus einem Steinbruch gewonnen worden sind. Jeder der drei Steinblöcke des berühmten "Trilithon" auf der Westseite des Podiums wiegt über 800 Tonnen.

 
Bacchus-Tempel oder Kleiner Tempel
Nächst der Jupiter- Tempelanlage steht getrennt der in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts errichtete Bacchustempel, der besonders gut erhalten ist. Während der Jupitertempel oder Große Tempel der öffentlichen Verehrung der heliopolitanischen Triade bestimmt war, wurde im sogenannten Kleinen Tempel offensichtlich ein geheimnisvoller Kult der Initiierten um den Jungen Gott von Baalbek zelebriert, der als Sonnen - und Wachstumsgottheit galt. Seine Geburt und sein Wachstum versprachen dem Gläubigen Wiedergeburt und ewiges Leben. Wein und Drogen wie z.B. Opium mögen von den Gläubigen verwendet worden sein. Es sind die in die Portalseiten eingeschnittenen Darstellungen von Wein und Mohn und einigen bacchantischen Szenen, die die Identifizierung des Tempels mit dem Gott Bacchus nahegelegt haben.
Dreiunddreißig Stufen führen zum Eingang des Tempels hinauf, der seinerseits auf einem fünf Meter hohen Podium gebaut ist. Das monumentale Portal und der Blick in das reich verzierte Innere des Tempels gehören zu den attraktivsten Anblicken von Baalbek. Die Stufen beiderseits des Aufgangs mögen kultischen Sinn gehabt haben. Der Turm an der Südostecke des Tempels ist ein gutes Beispiel mamelukischer Befestigungsanlage. Eine Turmbesteigung bietet einen lohnenden Ausblick.

 
Der Runde Tempel oder sogenannte Venus- Tempel
Der kostbare Tempel im Südosten der Akropolis wurde im 3.Jhdt. errichtet. Seine Anlage und Größe sowie seine Ausrichtung auf den Jupitertempel unterscheiden ihn von den anderen Tempeln in Baalbek. Diese Eigenschaften haben es erleichtert, ihn als den Schicksals- oder Glückstempel zu identifizieren, durch den die großen Götter die Stadt schützten. Und es war gewiss kein Zufall, dass der Tempel in der byzantinischen Epoche in eine Kirche verwandelt wurde, die der Hl. Barbara geweiht war, die bis heute die Schutzpatronin der Stadt Baalbek ist. Nahe beim Venustempel finden sich Reste des Tempels der Musen aus dem Anfang des 1. Jhdts.
 

Baalbek und seine Umgebung
In Baalbek und seiner unmittelbaren Umgebung sind noch einige römische und islamische Stätten, die einen Besuch verdienen.
Die Große Moschee gegenüber dem Aufgang zur Akropolis stammt aus dem 7./ 8 Jhdt. der Zeit der Umayyaden. Sie wurde an der Stelle des römischen Forums und einer späteren byzantinischen, dem Hl. Johannes geweihte Kirche, errichtet. Zum Bau der Moschee wurden Granit- und Kalksteinsäulen der Ruinen verwendet. In der Nordwestecke des Moscheehofes sind Reste eines rechteckigen Minaretts zu sehen.

 
Öffentliche Bauten
Beim Bustan el-Khan im Süden der Tempel gibt es bedeutende Ruinen von öffentlichen Bädern, einem Markt und wahrscheinlich einem Versammlungsplatz, einem "bouleuterion".
 
Ras el-Ain
Die Quelle, jetzt innerhalb des Ortes Baalbek ist seit dem Altertum als Quelle bekannt. Hier findet man noch Reste eines Altars und eines Nympheums aus römischer Zeit und einer 1277 erbauten mamelukischen Moschee.
 
Steinbrüche
Aus dem Steinbruch an der Südeinfahrt von Baalbek wurden die für die Tempel benötigten Steine gewonnen, darunter auch der Steinblock, der als der größte, aus einem Steinbruch herausgeschnittene Stein der Welt gilt: 21 m mal 4,8 m mal 4,2 m mit einem geschätzten Gewicht von 1000 Tonnen. Der nicht mehr zur Verwendung gekommene Stein dürfte ca.2000 Jahre dort liegen und erhielt später den Namen „Stein der Schwangeren Frau“. Einen weiteren Steinbruch findet man bei Al­ Kiyyal, südwestlich der Stadt, hinter Qubbat Duris. 

Qubbat al-Amjad
Auf dem Scheich Abdallah Hügel befindet sich die Ruine der Moschee al-Zawiya, die als Grab von Scheich Abdallah al- Yumini diente und zwischen 1182 und 1230 unter der Herrschaft von al-Amjad erbaut wurde, der ein Großneffe Saladins und Gouverneur von Baalbek war. Die für den Bau benützten Steine stammen aus dem benachbarten Merkur - Tempel.
 
Stadttor
Nordwestlich der Akropolis liegen unweit der Armeekaserne Ruinen eines Stadttores, das in römischer Zeit Teil der Stadtbefestigung war.
 
Qubbat as-Saadin
Nahe diesem Stadttor steht ein 1409 errichtetes Mausoleum mit zwei Räumen, das als Begräbnisstätte für die Mameluken Gouverneure von Baalbek diente.
 
Qubbat Douris
An der südlichen Stadteinfahrt bemerkt man eine oktogonale Ruine aus acht römischen Granitsäulen, die im 13. Jhdt. von einer Kuppel überwölbt waren, unter der sich ein Ayyubiden-Grab befand.

Quellenangabe:
© "Libanon - Baalbek" Broschüre des Libanesischen Ministerium für Tourismus

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