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In
der arabischen Welt wird nicht nur gegessen, um den Hunger zu stillen, nein, die
Mahlzeit, die fast immer gemeinsam mit Freunden oder der Familie eingenommen wird,
ist eine unverzichtbare gesellige Angelegenheit. Insbesondere dem Abendessen wird
viel Zeit gewidmet, während der man die aktuellsten Neuigkeiten aus der Familie,
der Nachbarschaft und dem Bekanntenkreis austauscht, über Politik und die
neuesten Fernsehserien diskutiert, und während der viel gelacht und manchmal
gar gesungen wird. In der kälteren Jahreszeit wird zur "Eröffnung"
des Abendessens gerne eine Suppe gegessen, wobei die bekannteste sicherlich die
Linsensuppe ist, die mit Zitronensaft abgeschmeckt und teilweise mit kleinen,
in Öl gebratenen Brotstücken serviert wird. Der eigentlich erste Gang
ist von den Mezze bestimmt, den zahlreichen Vorspeisen, in deren Zubereitung die
Libanesen die unbestrittenen Meister sind. Das arabische Fladenbrot, das aus Weizen,
Wasser und Hefe hergestellt wird und bei keiner arabischen Mahlzeit fehlen darf,
wird zu kleineren Schaufeln geformt, mit denen man in die zahlreichen Schälchen
fährt, die die Gaumenfreuden der berühmten levantinischen Vorspeisenkarte
enthalten Ein obligatorischer Bestandteil der Mezze-Tafel ist Hoummus, eine
Paste, die aus pürierten Kichererbsen, Sesamöl und Zitronensaft hergestellt
wird. Daneben gibt es Mutabbal, eine Auberginen-Creme mit Sesamöl. Da die
Auberginen im Ofen gebacken werden, hat sie einen etwas rauchigen Geschmack und
mutet dem nichtorientalischen Gaumen vielleicht zunächst etwas fremd an.
Muhammara, eine scharfe Paprikapaste, darf ebenso wenig fehlen wie Foul, die braunen
Bohnen, die mit Öl and Knoblauch angemacht werden und für sich alleine
schon sehr sättigend wirken. Diese Variationen an Pasten werden umgeben
von gebratenen Auberginen und Zucchinis und den "arabischen Pommes",
die allerdings mitnichten an Imbisse oder Tiefkühltruhen erinnern, sondern
von frischen Kartoffeln geschnitten und z.T. mit kleinen Zwiebelringen frittiert
werden. Die kleinen eckigen, runden oder ovalen Blätterteigtaschen, die mit
Käse, Hackfleisch oder Spinat gefüllt sind, nennen sich Fatayir und
gehören zu den besonderen Köstlichkeiten des Landes. Dass bestimmte
Speisen mit Füllungen hergestellt werden, gehört zu den Charakteristika
der libanesischen Küche. Dadurch wird die Essenszubereitung eine sehr zeitaufwendige
Angelegenheit, insbesondere dann, wenn für mehrere Gäste gekocht wird.
Und traditionellerweise kocht man immer etwas mehr, könnte doch jederzeit
noch ein unerwarteter Besuch eintreffen, der ganz selbstverständlich zum
Mitessen aufgefordert bzw. häufig gar genötigt wird. Eine besondere
Spezialität der gefüllten Speisen sind die Weinblätter, die man
mit Reis oder Fleisch belegt und dann zusammenrollt. Die eigrossen Kugeln aus
Hackfleisch und Weizengrütze, die man Kibbeh nennt, und die mit Hackfleisch
und Pinienkernen gefüllt sind, zählen ebenfalls zu den beliebtesten
Mezze. Wenn man sehr viel Glück hat, wird man auch die Gelegenheit haben,
von Makdus zu kosten, das in Restaurants allerdings nur sehr selten angeboten
wird. Dabei handelt es sich um Auberginen, die mit einer Mischung aus scharfen
Paprika und Walnüssen gefüllt und in Öl eingelegt werden. Man sollte
Libanon nicht verlassen, ohne vorher Manaqisch gegessen zu haben, die frischen,
fast hauchdünnen Fladenbrotscheiben, die mit etwas Öl und frischem Thymian,
mit Käse oder manchmal auch mit Gemüse belegt werden. Zu den bekanntesten
Mezze zählen Felafel, kleine frittierte Ringe oder Bällchen, die aus
Kichererbsenbrei hergestellt werden. Salate und Gemüsesorten gehören
zu den wichtigsten Anbauprodukten des Landes und so gehört Fattusch, ein
gemischter Salat, in den kleine Stücke von in Öl geröstetem Fladenbrot
gegeben werden, zu den Besonderheiten der levantinischen Küche. Die Königin
der Mezze ist jedoch Tabbouleh, ein Salat, der aus ganz fein geschnittener frischer
Blattpetersilie besteht, die mit Weizengrütze, Tomaten und Gurken versehen
und mit Zitronensaft begossen wird. Man nippt also mal hier, mal da, nimmt von
den Oliven oder den klein geschnittenen Tomaten- und Gurkenstücken und genießt
nebenbei den mit Salbei oder Zimt gewürzten und stark gezuckerten Schwarztee.
Ist man für den Moment zunächst einmal gesättigt, legt man eine
kleine Pause ein, die häufig dazu benützt wird, eine Zigarette oder
auch eine Wasserpfeife zu rauchen. Der Apfel- oder Erdbeerduft des parfümierten
Tabaks erfüllt nun die Luft Bald schon ist die Zeit für die Hauptgerichte
gekommen, die Vorspeisen werden jedoch nicht abgeräumt, sondern laden auch
weiterhin zum Naschen ein. Besonders lecker schmecken vor allem die Pasten auch
zu den zahlreichen Grillgerichten, die von Hühner- und Lammspießen
über verschiedenste Fischsorten (in Küstengebieten) bis zu Kebab, den
Hackfleischspießen reichen. Aber auch außerhalb der Grillgerichte
bietet die libanesische Küche viel Abwechslung. Der Liebhaber von Gemüse
wird sich vielleicht für Umluhiyye begeistern, eine Mangoldart, die mit Öl
und Knoblauch zubereitet und mit Reis gegessen wird. Beliebtes Nationalgericht
ist Maqlube, ein gestürzter Reistopf, in dem sich neben Rindfleischstücken
und gebratenen Auberginen auch Hackfleisch und Pinienkerne befinden. Meist wird
er mit einer erfrischenden Joghurtsauce, die häufig mit Gurkenstücken
versehen wird, gereicht. Wenn nach der Hauptspeise nun auch der Hungrigste sich
vollkommen gesättigt fühlt, kommt es zu einer erneuten Pause, in der
man sich wieder ganz der Geselligkeit widmet. Man genießt die freudige Stimmung,
die sich häufig in wort- und gestenreichen Unterhaltungen ausdrückt,
bei einem starken arabischen Kaffee, dessen Kardamomduft die Luft erfüllt.
Und vielleicht fühlt sich sogar jemand berufen, seine Begabung als Kaffeesatzleser
unter Beweis zu stellen! Doch noch einmal wird der Tisch gedeckt - riesige Schalen
drohen unter den verschiedensten Früchten fast zusammenzubrechen. Kleine,
süß schmeckende Bananen, Äpfel, Orangen und Trauben laden immer
wieder zum Zugreifen ein, während das Abendessen zu später Abendstunde
ausklingt. Quellenangabe
©
Reise Know How "Libanon, Seiten 181, 182"
- siehe Beschreibung |