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Der
Libanon gehört zu den ältesten Weinanbaugebieten der Welt. Ausgrabungen
in der antiken Stadt Byblos brachten 5000 Jahre alte Reben hervor. Die ersten
Reben zur Weinerzeugung wurden von phönizischen Händlern aus dem Kaukasus
und Anatolien ins Land gebracht. Es handelte sich wahrscheinlich um die Vitis
vinifera pontica, eine mutmaßliche Vorgängerin der Chardonnay-Rebe.
Die Römer errichteten zu Ehren von Bacchus, den Weingott, im 2. Jahrhundert
n. Chr. einen Tempel in Baalbek. Im Mittelalter waren Weine aus den Städten
Tyros (heute Sur) und Sidon (heute Saida) sehr beliebt. Venezianische Kaufleute
exportierten sie in alle europäischen Länder. Nach der sich weiter ausdehnenden
Islamisierung waren es vor allem die christlichen Klöster, die sich um die
Kultivierung der Reben bemühten, auch um den für das Abendmahl benötigten
Messwein zu erzeugen. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wird der Weinbau und die
Weinproduktion nach antiken Methoden betrieben. 1857 haben einige Jesuitenmönche
den neuzeitlichen Weinbau eingeläutet, indem sie erste Rebberge anlegten
und riesige Weinkeller bauten. Sie nannten ihr Gut Ksara, nach einer ehemaligen
Festung aus der Zeit der Kreuzritter. Bis zu Beginn der 1980er Jahre war die Nachfrage
nach Wein im Libanon vor allem unter der westlich orientierten christlichen
Bevölkerung, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung 50% betrug - sehr
hoch. Mit Beginn des Bürgerkrieges ging der Konsum jedoch schlagartig zurück,
und die meisten Weinberge wurden zerstört mit einer Ausnahme: Château
Musar musste nur in den Jahren 1976 und 1984 auf die Ernte verzichten. Nach Ende
des Krieges konnte sich die Weinwirtschaft wieder erholen und die internationalen
Erfolge der Legende Château Musar forderte die Konkurrenz heraus. In den
1990er Jahren wurde viel Geld in die Modernisierung der Weingüter investiert
und mittlerweile gelten die Weine der beiden großen Herausforderer, Château
Kefraya und Ksara als fast ebenbürtig. 
Anbaufläche bei Tanail im Bekaaatal (Foto
© Le
Marché du Levant )
Die
Rebfläche beträgt heute etwa 27 000 Hektar und die Weinerzeugung wird
auf 3,3 Mio Flaschen in 1997, auf 3,6 Mio Flaschen in 1998, auf 4 Mio Flaschen
in 1999 und auf 6 Mio Flaschen in 2001 geschätzt. Dieser Anstieg ist auf
die Entwicklung der Aktivitäten des Sektors im allgemeinen und auf die Neueinführungen
auf dem Markt im besonderen zurückzuführen. Der Weinkonsum im Libanon
steigt jährlich um 10 bis 15% seit 1996. In Zahlen ausgedrückt, stiegen
die Umsätze von 1,6 Mio Flaschen in 1996 über 1,9 Mio Flaschen in 1997
auf 2,2 Mio Flaschen in 1998. Als Mitglied des OIV (Office international de la
vigne et du vin) exportiert der Libanon von der nationalen Weinproduktion fast
35%, das sind 1,4 Mio. Flaschen, die mit ungefähr 4 bis 5 Mio. Dollar eine
beträchtliche Deviseneinnahme ausmachen. Der Import von ausländischen
Weinen beträgt ungefähr 600 000 Flaschen, davon stammen 400 000 aus
Frankreich. Das sind 15% des Gesamtverbrauchs, der momentan bei etwa 3,2 Mio Flaschen
pro Jahr liegt. Der Wein ist im Libanon kein Produkt des täglichen Bedarfs,
er ist eher ein Begleiter bei besonderen Anlässen in der Familie oder unter
Freunden. Besonders wird er zu den Feierlichkeiten am Ende des Jahres getrunken,
denn 40% der Verkäufe werden in den beiden letzten Monaten des Jahres getätigt.
Das Bekaa-Tal mit der Verwaltungshauptstadt Zahlé als Mittelpunkt bildet
das heutige Zentrum des libanesischen Weinbaus. Hier haben auch alle Weingüter
mit Ausnahme von Château Musar und Château Fakra ihren Sitz. Die Hänge
des Bekaa-Tals sind bis zu 1000 Meter Höhe mit Reben bepflanzt, wofür
die klimatischen Voraussetzungen geradezu ideal sind: Die Sonne scheint an rund
300 Tagen im Jahr, und das nahe Mittelmeer wirkt als Temperaturregler. Die Nächte
in den höheren Lagen sind sogar ausgesprochen kühl, und es gibt ausreichend
Niederschlag, so dass die Trauben voll ausreifen und natürliche Säure
entwickeln können, bevor sie geerntet werden. Es werden weder Spritzmittel
in den Weinbergen noch Zusätze bei der Weinherstellung benötigt. Die
meisten Reben wachsen als niedrige Büsche und brauchen wenig Pflege. |