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Um
einen zentralen Platz mit Brunnen, den Midan, gruppieren sich die öffentlichen
Gebäude und Palais, Bürgerhäuser liegen vor allem im höheren
Teil der Stadt, Obstgärten und Gemüseterrassen jedoch unten im Tal,
wo es Wasser gibt. Traditionell ist Deir al-Qamar Sitz der den Schuf regierenden
Drusenfürsten. Die Kämpfe zwischen Drusen und osmanischen Gouverneuren
einerseits und Christen andererseits hat es immer in vorderster Front mitgemacht.
Bei den Kämpfen von 1860 wurden hier zweitausend Christen umgebracht, nach
dem >Bergkrieg< von 1983 wurden die meisten Christen zu Flüchtlingen.
Westlich des Brunnens auf dem Midan steht eine schlichte Moschee, die unter Fakhr
ed-Din I. Im frühen 16. Jhdt. errichtet wurde (das Minarett kam später
dazu). Seit 1530 berichten osmanische Quellen über eine drusische Familie,
die Maan, die den Schuf unter ihre Kontrolle zu bringen begann. Fakhr edDin
I. ist einer der ersten Machthaber, die uns mit Namen bekannt sind. Dahinter steht
auf einer Terrasse der Rest des ehemaligen Stadtpalais der Maan, das gut erhaltene
Portal auf der rechten Seite zeigt typisch mamelukische Dekorelemente. Nach
rechts schließt sich ein größeres Gebäude mit Arkaden im
Untergeschossan, die Kisseriya der Seidenweber; wir würden heute vor einem
Gewerbehof sprechen. Das Gebäude enthält heute ein französisches
Kulturinstitut. Hinter der Kisseriya liegt auf höherem Grund die Kaserne,
al-Kharge, die Fakhr ed-Din II. für die von ihm geschaffene stehende Armee
errichten ließ. Im späten 17. und 18. Jhdt. umgebaut, diente sie als
Palais der Chehab Familie, bis diese sich in Beit ed-Din einen standesgemäßeren
Sitz leisten konnte. Den Ostabschluss des Platzes bildet ein Privatpalais,
das Palais Baz aus der Mitte des 18. Jhdt. das seit mehr als 200 Jahren im Besitz
der Familie Baz ist. Zwei sehr dekorative Portale im alten Stil, wie er sich seit
dem Ende der Mameluckenzeit im Libanon gehalten hatte - dekorative Steinsetzungen
in dunkel und hell, ovales Portal im rechteckigen Rahmen, flache Steinmetzarbeiten
als sparsamer Dekor, häufig nur für das Familienwappen - sind der schönste
Teil des öffentlichen Palastbereiches. Ein Wachsmuseum zur libanesischen
Geschichte, das Museum Marie Baz {tägl. 9.00-18.00 Uhr), wurde rings um den
schönen Innenhof (angenehme Cafeteria) eingerichtet. Schmale Gässchen
und Treppenwege führen in den höheren Ortsteil hinauf; einige ältere
Bürgerhäuser lohnen die Mühe. Der Name des Ortes, Deir al-Qamar,
bedeutet Mondkloster, das muss man wissen, wenn man das Portal der Marienkirche
betrachtet, wo sich Kreuz und Halbmond verbinden. Südlich des Platzes
liegt ein größeres Gebäude, das als Serail bezeichnet wird. Dieser
Palast wurde unter Emir Mulkhem Chehab errichtet, der 1729-1754 Gouverneur des
Libanon war. Auch dieser Palast hat einen Innenhof mit Liwan nach Süden,
von dort hat man einen schönen Blick über das Tal unterhalb der Stadt.
Die
Maaniden in Deir al-Qamar Die
Familie Maan kam im 12. Jhdt. im Auftrag des Gouverneurs von Damaskus in den Schuf,
um den Widerstand gegen die Franzosen zu organisieren. Bald nahmen die Maan
die dort herrschende drusische Religion an. In die Geschichte tritt die Familie
wieder ein, als der osmanische Gouverneur von Damaskus 1522/23 einen Aufstand
im Schuf niederschlägt: In zwei Kampagnen werden insgesamt 73 Dörfer
verbrannt, 300 Frauen und Kinder verschleppt und sieben Wagenladungen abgeschlagener
Köpfe nach Damaskus gebracht, damit man dort sehen kann; was mit denen geschieht,
die sich den neuen Machthabern nicht beugen wollten. Die Maan organisieren
den Wiederaufbau des verbrannten Landes; sie haben ihren Hauptstützpunkt
in Deir al-Qamar, wo Fakhr ed-Din I, eine Moschee errichten läßt.
1584 greift ein osmanisches Heer unter Ibrahim Pascha zuerst den Herrn von Akkar
an, Yusuf Sayfa, dessen Festung Akkar al-Aatiqa verwüstet wird, dann die
Drusen unter Qorqmas aus der Familie Maan. Qorqmas muss fliehen und stirbt in
einer Höhle im Süden des Schuf. Wieder werden drusische Dörfer
verbrannt, die Menschen entwaffnet. 1590 hat Fakhr ed-Din II. (1572-1635),
Sohn des Qorqmas, die Macht im Schuf; er baut eine stehende Armee auf. Der Damaszener
Gouverneur lässt ihn 1598 gegen Yusuf Sayfa vorgehen, den er in der Nähe
des Nahr el-Kalb besiegt. Ein Hin und Her der Angriffe und Zerstörungen beginnt
und eine lebenslange Feindschaft zwischen den beiden Lokalherrschern. 1605
kommt es in Aleppo zu einer Rebellion gegen die Osmanen, die von der Familie des
ehemaligen Gouverneurs getragen wird. Fakhr ed-Din wird in die Kämpfe auf
der Seite der Aufständischen hineingezogen. Yusuf Sayfa wird vom Sultan mit
dem Kampf gegen die Rebellen betraut. Fakhr ed-Din und seine Verbündeten
besiegen Yusuf Sayfa und erobern Damaskus. Im nächsten Jahr schließt
das Osmanische Reich einen Frieden mit Österreich, nun ist der Rücken
frei für ein Eingreifen im Libanon! Fakhr ed-Din schickt ein großes
Geldgeschenk und seinen Sohn zum Großwesir Murad Pascha und entschuldigt
sich, er sei zur Waffenhilfe gezwungen worden. Alles ist vergeben. 1611 stirbt
Murad Pascha, sein Nachfolger ist mit den Geschenken Fakhr ed-Dins unzufrieden.
1613 steht der Herrscher des Schuf einem bedrängten Freund bei, bei der Gelegenheit
besetzen seine Truppen Damaskus zum zweiten Mal. Diesmal wird ein größeres
Heer gegen ihn eingesetzt, er flieht und schifft sich noch im selben Jahr von
Saida nach Italien ein. Fast fünf Jahre verbringt er in der Toskana am Hofe
des Großherzogs Ferdinand I., mit dem er vorher einen Beistandspakt abgeschlossen
hatte, bis er 1617 (oder) 1618 in seine Heimat zurückkehren kann. Inzwischen
hatte seine Familie nicht mit Bestechungen, Drohungen und neuen Allianzen gezögert,
so dass die Maan einen Deal mit dem Sultan machen konnten: die beiden letzten
Burgen unter ihrer Herrschaft sollten der Hohen Pforte übergeben werden,
gleichzeitig sollte die Herrschaft über den sanjak (osmanischer Verwaltungsbezirk)
Safed im heutigen Israel an Fakhr ed-Dins Bruder, jene über Beirut an seinen
Sohn Ali fallen. Als ob nichts gewesen wäre, wurde Fakhr ed-Din nun mit
allen möglichen offiziellen Geschäften betraut. Steuereintreibung im
Sanjak Tripoli war eine der ersten offiziellen Aufgaben. Yusuf Sayfa besiegte
ihn dort zunächst; aber nur, um 1623 von einem Verbund aller Emire des Libanon
unter Führung von Fakhr ed-Din vertrieben zu werden, dabei ging die Festung
Akkar zu Bruch, die der Sieger abreißen und deren Steine er in seine Neubauten
in Deir al-Qamar einbauen ließ. Fakhr ed-Din beherrschte nun nicht nur den
Libanon und durfte sich >Sultan al-Barr<, Sultan des Kontinents nennen,
sondern mit mehr als dreißig Festungen, die von seinen Truppen gehalten
wurden, ganz Syrien. Aber im selben Jahr kam in Istanbul Murad IV. an die Macht,
und dieser wollte sich nicht mit Halbherrschaft begnügen. 1626 sandte er
eine Armee gegen den Schuf, die aber durch Geldgeschenke zum Umkehren bewogen
werden konnte. Fakhr ed-Din hatte inzwischen offizielle diplomatische Beziehungen
mit der Toskana aufgenommen und holte von dort Architekten, Agronomen und Bewässerungstechniker,
die den Libanon modernisieren sollten. 1632 jedoch sandte der Sultan höchstpersönlich
eine neue Armee unter Kutschuk, dem Pascha von Damaskus, die Fakhr ed-Din gefangen
nahm und ihn nach Istanbul brachte, wo er im April 1635 hingerichtet wurde. Die
Osmanen sollten für die nächsten 250 Jahre keine Probleme mehr mit Syrien
haben. Quellenangabe
©
"Libanon" Dumont Reisetaschenbuch, Seiten
181-184" - siehe Beschreibung |