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Unter
dem arabischen Begriff Islam versteht man die Hingabe
des Gläubigen an den göttliche Willen. Der Gläubige
ist als Muslim (weibl. Muslima) zu bezeichnen, während der
Begriff Mohammedaner eine westliche Fehldeutung ist
und dem islamischen Selbstverständnis widerspricht. Mohammed
(wörtlich: der Gepriesene) war zwar Gottes Prophet
und Gesandter und so beschreibt es die sira, die kanonische
Muhammadbiographie der treueste im Vertrag, der
die vortrefflichste Hand, das kühnste Herz, die wahrhaftigste
Zunge besaß. Doch Gott alleine, er, der allmächtige
Schöpfer, steht im Mittelpunkt der Anbetung. Religiöse
Verehrung auf einen Menschen, sei er auch wie Mohammed das schönste
Beispiel, zu konzentrieren, entspräche nicht der Forderung
nach einem konsequenten, absoluten Monotheismus das wichtigste
Charakteristikum der islamischen Religion!
Mohammed erblickte 570 in Mekka das Licht der Welt. Im Alter von
40 Jahren erhielt er seine ersten Offenbarungen durch den Erzengel
Gabriel. Zunächst verängstigt und betroffen, von Gott
als Sprachrohr auserkoren zu sein, gewann Mohammed in
seinem Glauben allmählich an Sicherheit. Er begann, die Worte,
die ihm Gabriel übermittelte, weiterzugeben. Er verkündete,
dass es nur einen Gott gibt und prangerte polyatheistische Verehrungen
öffentlich an.
Vor der Verkündung Mohammeds war das vorislamische Mekka des
6. und beginnenden 7. Jahrhundert von einer polyatheistischen Verehrung
hunderter Götzenbilder geprägt. Diese schmückten
die Kaaba, die bereits vor dem Islam ein Heiligtum war und die als
Anziehungspunkt vieler Pilger den Wohlstand der mekkanischen Händler
sicherstellte. Der Konflikt mit der mekkanischen Gesellschaft, allem
voran die Händler, die nun um ihre wichtigsten Einnahmequellen
fürchteten, war somit vorprogrammiert. Die Spannungen nahmen
zu und mit dem Tod seiner ersten Frau Hadija verlor er seine wichtigste
Vertraute und Stütze, so dass er sich schließlich zur
Hijra, der Auswanderung entschloss. Im Jahr 622 zog er nach Yathrib
und das wir heute unter Medina kennen.
Mit
diesem Jahr 622 - beginnt die islamische Zeitrechnung, die
sich am Mondjahr, orientiert. Dieses hat nur 354 Tage, deckt sich
also nicht mit dem christlichen, woraus sich z.B. ergibt, dass der
Ramadan jedes Jahr elf Tage früher beginnt.
In Medina schuf Mohammed die erste muslimische Gemeinde, die sogenannte
umma, heute der Begriff für die weltweite muslimische Gemeinschaft,
die jeder Muslim/Muslima ungeachtet der eigenen Nationalität
angehört.
Bis
zu seinem Tod 632 empfing Mohammed in unregelmäßigen
Abständen göttliche Offenbarungen, die zu seinen Lebzeiten
zunächst auf Tonscherben, Lederstücken und Palmstengeln
aufgezeichnet wurden. Erst nach seinem Tod wurden sie unter dem
dritten Kalifen Othman gesammelt und als Koran regidiert.
Der
Koran (wörtlich die Lesung) gilt den Muslimen als
das direkte Wort Gottes Mohammed ist lediglich der Übersetzer.
Seine 114 Suren (Kapitel) sind ihrerseits in Verse unterteilt und
haben ein sehr weit gefächertes Themenspektrum: Fragen des
gesellschaftlichen und familiären Lebens, religiöse Vorschriften
und Verbote. In den Suren finden sich auch Personen aus dem Alten
und Neuen Testament.
Neben dem Koran wurde die in Schriften tradierte Lebensweise des
Propheten (Sunna) und seine Aussprüche (Hadithe) zur wichtigsten
Quelle der islamischen Religion.
Auf
der Basis der Hadithe und der Koranverse, die zu juristischen Fragen
Stellung nahmen, wurde im Laufe der ersten drei Jahrhunderte islamischer
Zeitrechnung die sogenannte Scharia entwickelt.
In
den verschiedenen Gegenden der islamischen Welt (auf der arabischen
Halbinsel, in Syrien, Ägypten und dem Irak) hatten sich wissenschaftliche
Zentren gebildet. In diesen fanden sich Rechtsgelehrte, sogenannte
Ulama zusammen, um für die Muslime eine Rechtsordnung zu schaffen.
Die
Rechtsgelehrten gelten als die religiösen Autoritäten.
Der Islam besitzt keine Gemeindestruktur, keine Organisation, die
mit der kirchlichen vergleichbar wäre und kein Oberhaupt, das
allgemeine Anerkennung innerhalb der islamischen Welt genießt.
Durch
Koran, Sunna, Hadithe und Scharia sind die Rechte und Pflichten
der Gläubigen genau definiert. Die wichtigsten Pflichten, die
gewissermaßen die Grundlage eines gläubigen Lebens darstellen,
werden als die Fünf Säulen des Islam
bezeichnet.
1.
Ich bekenne, dass es keinen Gott außer dem einen Gott
gibt und dass Mohammed sein Gesandter ist. Ich glaube an Gott, an
seine Engel, an seine Bücher, an seine Gesandten, an das Jüngste
Gericht und das Schicksal, sei es gut oder schlecht.
Durch das Glaubensbekenntnis, die schahade, bezeugt der Muslim seinen
Glauben.
2.
Ihr Gläubigen! Wenn Ihr Euch zum Gebet aufstellt, dann
wascht euch (vorher) das Gesicht und die Hände bis zum Ellbogen
und streicht Euch über den Kopf und (wascht euch) die Füße
bis zu den Knöcheln!
Die rituelle Reinigung ist eine Voraussetzung für das rituelle
Gebet, des salat.
Das Gebet soll fünfmal am Tag vollzogen werden (die Einhaltung
der Gebetszeiten hängen mit dem Stand der Sonne zusammen).
Die Gebetsrichtung ist gen Mekka. Der Gebetsausrufer nennt man Muezzin
(der heutzutage oft durch ein Tonband ersetzt wird).
3.
Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In ihnen
liegt eine schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen
(auch manchmal) von Nutzen. Die Sünde, die in Ihnen liegt,
ist aber größer als ihr Nutzen. Und man fragt dich, was
man spenden soll. Sag: Den Überschuss (von dem, was ihr besitzt)!
Die Almosensteuer, die zakat, soll als Unterstützung für
Arme, Gefangene, Verschuldete und Reisende gegeben werden und so
den sozialen Frieden sichern.
4.
Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben, zu fasten, so
wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden
ist. Vielleicht werden ihr gottesfürchtig sein.
Das Fasten (saum) wird im Ramadan durchgeführt. Er ist ein
besonders heiliger Monat in seiner 27. Nacht, der Nacht
der Bestimmung, empfing Mohammed zum ersten Mal die göttliche
Offenbarung. Vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang verzichtet
der Fastende auf Essen, Trinken, Rauchen und sexuellen Verkehr.
Von der Fastenpflicht sind Reisende, Schwangere, Stillende, Alte
und Kranke ausgenommen ihnen wird empfohlen, das Fasten in
einer Zeit nachzuholen, in der es ihnen leichter fällt.
5.
Führt die (große) Wallfahrt und die Besuchsfahrt
im Dienste Gottes durch!
Die Pilgerfahrt nach Mekka, der hajj (Hadschi), orientiert sich
in ihrem Ablauf an der Abschiedswallfahrt, die Mohammed
ein Jahr vor seinem Tod in seiner Geburtsstadt vorgenommen hat.
Sie ist Pflicht für jeden Gläubigen (vorausgesetzt,
dass er dazu gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage ist).
Der Mittelpunkt der Wallfahrt ist die siebenmalige Umrundung der
Kaaba.
Quellenangabe:
©
Reise Know How "Libanon, Seite 132-135" - siehe Beschreibung |